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Artikel aus der Zeitschrift Apo Vita

„Ayurveda das Wissen vom Leben “

 

Das Wort Ayurveda ist den meisten bekannt, aber was steckt genau hinter dieser indischen Begriff? Wir baten Frau Dr. Mandl um ein Gespräch, um uns mit Informationen zu versorgen.

 

 „Ayurveda bedeutet wörtlich übersetzt das Wissen vom Leben und entstand vor etwa 5000 Jahren in Indien. Damals war diese ganzheitliche Heilmethode aufgrund der aufwendigen Rezepturen und Anwendungen nur Königsfamilien, vorbehalten. Mit der Zeit verbreitete sich Ayurveda aber erfolgreich in weitere indische Gesellschaftsschichten und darüber hinaus“, erörtert uns Frau Dr. Manzl zu Beginn unseres Gespräches in Ihrer Salzburger Praxis. Bis die Ayurvedamedizin in unsere Breitengrade kam, war es allerdings noch ein langer weg. Erst in den 80 er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde Ayurveda einer breiteren Masse hierzulande bekannt. Mit dem Interesse an Yoga, kam auch Ayurveda dazu. Aber was macht diese Heilmethode so besonders, dass Sie Jahrtausende überdauert und wie gut lässt sich uraltes Wissen in unserer modernen Gesellschaft nutzen?

 

Das Gleichgewicht von Körper, Geist und Seele

Gesundheit ist mehr als nur Abwesenheit von Krankheit, Gesundheit ist ein Zustand körperlichen, geistigen und seelischen Wohlbefindens. Gerät eine dieser Säulen ins Wanken (zum Beispiel durch Stress oder falsche Ernährung) gibt es im Idealfall noch zwei stabile Säulen die das Gleichgewicht aufrechterhalten können. Das Wissen im Ayurveda hilft uns dabei als Baumeister den Tempel unseres gesundheitlichen Gleichgewichtes aufrecht zu erhalten.

Wenn das Gleichgewicht bereits so weit gestört ist, dass sich eine Krankheit manifestiert, ist das Ziel im Ayurveda die zugrunde liegende Ursache zu erkennen und zu behandeln. Häufig handelt es sich dabei um eine, oder mehrere, für den individuellen Konstitutionstyp des Patienten schädliche Gewohnheit.  Diese gilt es durch gesunde und für den jeweiligen Menschen spezifische förderliche Verhaltensweisen zu ersetzen. Auf dem Weg dorthin unterstützen Phytotherapeutika, Öl-Massagen, Marmabehandlungen bis hin zu Kuren, wie der Pancha Karma Kur.

 

Die individuelle Konstitution Vata, Pitta, Kapha

Jeder Mensch wird mit einer individuellen Konstitution, dem „Prakriti“. Geboren. Das Wissen um den eigenen Typ hilft dabei, sich und sein Verhalten, seine Abneigungen und Neigungen besser zu verstehen und auf ein gesundes Leben hin auszurichten. Was für den einen Menschen ein förderliches Verhaltensmuster darstellt, kann für den anderen schädlich sein und dieselbe Beschwerdekonstellation kann bei zwei Personen unterschiedliche Ursachen haben und in Folge auch eine unterschiedliche Behandlung verlangen.

Grob vereinfacht gibt es drei Grundtypen Vata (Luft), Pitta (Feuer), Kapha (Erde), wobei alle Qualitäten in jedem Menschen vorhanden sind, nur in unterschiedlicher Intensität.

Diese `Doshas` haben jedes für sich Stärken und Schwächen, und das Wissen um den eigenen Konstitutionstypen kann dabei helfen seine Stärken besser zu entwickeln. Es gibt dabei kein besser oder schlechter, sondern nur Typen, die eher für gewisse Aufgaben, Lebensstile, Berufe und ähnliches besser geeignet sind als andere.

Der Weg zu Bestimmung der Konstitutionstyp umfasst Antlitzdiagnose, Pulsdiagnose und gezielte Anamnese. Ist der Grundtyp, das „Prakriti“ geklärt, kann eine Therapie geplant werden.

 

Vom Kräuterelexier bis zum Stirnguss- die Behandlungsmethoden sind vielfältig.

Es gibt 3 Hauptherapiesäulen, Ernährung, Lebensstil und Kräuter und natürlich auch noch weitere wie beispielsweise die inneren und äußeren Reinigungsmethoden, zu denen auch die Ölanwendungen und Massagen zählen. Bei aufwendigen Kurbehandlungen werden die Massagen von zwei Therapeuten synchron durchgeführt. Die heilende Wirkung der Öle entfaltet sich aber auch durch eine Selbstmassage, das wichtige dabei ist, die Öle ins Gewebe zu bringen.

Ein weiterer Aspekt ist die Unterstützung der psychischen Konstitution, die einen großen Einfluss auf unser ganzheitliches Wohlbefinden hat und sehr gut z.b. durch Yoga und Atemübungen beeinflusst werden kann.

 

100 Jahre in Harmonie und Gesundheit

Damit dies möglich ist nimmt laut Frau Dr. Manzl „die präventive Behandlung einen zentralen Aspekt der Ayurvedamedizin ein“, denn Ayurvedische Anwendungen können helfen, damit es erst gar nicht zum Verlust des seelischen und körperlichen Gleichgewichts kommt. Zum Abschluss weist uns Frau Dr. Manzl noch auf einen entscheidenden Vorteil der Ayurvedamedizin hin: „Die größte Stärke ist die Weitergabe von Wissen und Instrumenten wie wir selbst lernen können uns im Gleichgewicht zu halten“.

Diesen Worten haben wir nichts mehr hinzuzufügen und bedanken uns bei Frau Dr. Manzl für das informative Gespräch.

 „Ayurvedische Grundbegriffe“.

Ein zentraler Begriff sind die Doshas. Besser gesagt sind es drei verschiedene Doshas, um denen sich beinahe alles dreht. Jedes dieser Doshas (Kapha, Pitta, Vata) charakterisiert die Grundkonstitution eines jeden Menschen. So stellt Kapha (bestehend aus Erde und etwas Wasser) einerseits das erste Lebensdrittel dar und widerspiegelt das Entstehen und den Aufbau unseres Körpers. Die Pitta Konstitution (Feuer und etwas Wasser) beschreibt sozusagen die geistlichen und weltlichen Aufgaben, die unseren 2. Lebensabschnitt prägen. Die dritte Ebene des Lebens wird als Vata (Luft) bezeichnet, in dieser ist die Spiritualität und die innere Entwicklung das zentrale Thema.

Eine besondere Herausforderung für die Ayurvedamediziner ist es, die medizinischen Maßnahmen auf die westliche Lebensweise anzupassen, da sich die westlichen Krankheitsbilder durchaus und wesentlich von denen anderer Kulturen unterscheiden. Es wird auch daran gearbeitet, dass heimische Kräuter, wenn möglich, die indischen Kräuter ersetzten, aber der Weg ist wohl noch ein langer. Ein langer Weg ist es für unsere Gesellschaft wohl auch noch zu einem der „großen Ziele der Ayurvedischen Medizin“, nämlich das hundertste Lebensjahr gesund zu erleben.

 

 

Aus der Zeitschrift Apo Vital Mai Ausgabe 2017

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